Erfolg!

Das Festhalten an der Benennung des wichtigsten deutschen Zivilrechtskommentars nach Otto #Palandt hat diesem Mann jahrzehntelang eine unverdiente Ehre erwiesen. Dass der Verlag C.H.BECK am 27.07.2021 angekündigt hat, diese Praxis nun zu beenden und im gleichen Zuge weitere Nationalsozialisten von ihren Ehrenplätzen entfernt, begrüßen wir.

Wir sehen die Entscheidung auch als Ergebnis der intensiven Debatte an, die wir und andere mit dem Verlag in den letzten Jahren geführt haben. Unser Ziel war dabei das Erinnern, nicht das Vergessen.

Es bleibt daher auch nach den Umbenennungen die Aufgabe, das Gedenken an die Verstrickung von Juristinnen und Juristen in das Unrecht der NS-Herrschaft und auch das Gedenken an seine Opfer wach zu halten. Letzteres gilt insbesondere für die jüdischen Juristinnen und Juristen wie den Verleger Otto Liebmann, deren Rolle in der deutschen Rechtsgeschichte die Nationalsozialisten in ihrem Wahn zu tilgen versuchten.

Liebmann als neuen Namensgeber des Beck’schen Kurz-Kommentars zum BGB zu wählen, wäre daher eine Chance gewesen, die der Verlag leider verpasst hat.

Als Initiative werden wir uns weiter für eine kritische zeitgeschichtliche Reflektion der Rolle der Jurisprudenz in der NS-Zeit und insbesondere für eine Verankerung dieser Auseinandersetzung in der juristischen Ausbildung einsetzen.


Weitere Stellungnahmen werden in den nächsten Tagen folgen.

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Janwillem van de Loo, Initiator der IPU hat am 27.07.2021 ein Radio Interview bei DLF Kultur gegeben

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/07/27/ueberfaellige_verlagsentscheidung_keine_ehrung_mehr_fuer_drk_20210727_2309_80b564d9.mp3

und am 29.07.2021 ein Kommentar für das Anwaltsblatt geschrieben:

https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/anwaeltinnen-anwaelte/anwaltspraxis/Palandt-umbenannt

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Hier zur Dokumentation unser altes Selbstverständnis, welches nun überarbeitet wird:

Es gehört zum gesellschaftlichen Konsens in unserem Land, keine Denkmäler für Nationalsozialisten zu pflegen. Aus guten Gründen akzeptieren wir heute keinen Rudolf-Heß-Platz mehr, kein Auto-Modell namens “Himmler” und keine Hermann-Göring-Schule. Die Selbstverständlichkeit, mit der solche Namensgebungen als undenkbar gesehen werden, stehen in starkem Kontrast dazu, dass in jeder rechtswissenschaftlichen Fakultät, fast jedem Amt, jedem Gericht und jeder Kanzlei ein juristisches Standardwerk zu finden ist, welches den Namen eines führenden Nationalsozialisten trägt. Wenn Hermann Göring und Rudolf Heß, Heinrich Himmler und Roland Freisler als Namensgeber tabu sind, dann muss es auch Otto Palandt sein. In seinem Aufgabenbereich, der Ausbildung des gesamten juristischen Nachwuchses für Staat und Wissenschaft, war er ihr funktionales Äquivalent.

Der “Palandt” ist der meistverkaufte deutsche Zivilrechtskommentar. Seit 1938 ist das juristische Standardwerk nach Otto Palandt benannt, der als Präsident des Reichsjustizprüfungsamtes, Mitglied der NSDAP und der Akademie für Deutsches Recht die sogenannte „Arisierung“ des Rechtswesens vorantrieb. Er war maßgeblich daran beteiligt, Frauen aus dem Studium der Rechtswissenschaften zu drängen und forderte, Junge Juristen müssten lernen, „Volksschädlinge zu bekämpfen“ und die „Verbindung von Blut und Boden, von Rasse und Volkstum“ begreifen. Kommentiert hat Otto Palandt in dem nach ihm betitelten Werk nie, seine “Mitarbeit“ beschränkte sich darauf, das nationalsozialistische Regime glorifizierende Vorworte abzufassen. Dennoch vertreibt der große und renommierte rechtswissenschaftliche Verlag C.H. Beck diesen wohl am meisten zitierten Gesetzeskommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch bis heute unter seinem Namen.

Es ist höchste Zeit, den „Palandt“ endlich umzubenennen, um dieser grotesken Ehrerweisung ein Ende zu setzen.

Dafür setzen wir uns ein.